Staatsschulden pro Kopf in Deutschland
"Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche." (Ernesto Che Guevara)

Bildungspolitik

19 Dezember, 2006 von Tim Sommer

Längst haben wir erkannt, dass viele gesellschaftliche und soziale Probleme ein Resultat unserer überalterten Bildungspolitik sind. Schulformen und Lerninhalte wurden seit Jahren nicht den Erfordernissen angepasst und zum Teil kläglich vernachlässigt. Immer wieder entbrennen Diskussionen über die Dauer der Schulzeit, die Schulformen, die Ganztags- und Gesamtschulen.

Seit langem liegen uns die Ergebnisse z.B. der PISA-Studien vor. Experten beschäftigen sich in wissenschaftlichen Erhebungen und Studien mit diesem Thema. Vergleiche mit unseren europäischen Nachbarn zeigen, dass Deutschland einen enormen Nachholbedarf bei der Reformierung des Bildungssystems hat.

Ziel einer zukunftsorientierten Bildungspolitik muss die Chancengleichheit aller sein, unabhängig von sozialer Herkunft und Geschlecht. Die Kostenfreiheit von Kindergärten, Schulen und des Erststudiums muss dauerhaft gesichert werden, um nicht durch finanzielle Hürden ganze Gesellschaftsschichten vom Bildungssystem auszugrenzen.

Bildung ist und bleibt ein öffentliches Gut! Wir dürfen die Verantwortung und Zukunftsorientierung nicht in die Hände privater Schulen und Universitäten legen, sondern diese als Ergänzung zu bestehenden Angeboten sehen. So sinnvoll es erscheinen mag, „Eliteuniversitäten“ besonders zu fördern, so wichtig ist es, die breite Masse an schulischen Einrichtungen konkurrenzfähig zu halten und nicht zu vernachlässigen.

Das gemeinsame Lernen über die Grundschule hinaus ist Voraussetzung für die Chancengleichheit aller und Grundlage einer breiten Volksbildung! In unserer schnelllebigen und hoch technisierten Zeit ist es erforderlich möglichst vielen Menschen ein ausgewogenes Grundwissen zu vermitteln, welches sich den verändernden Rahmenbedingungen stetig anpasst. Eine Unterteilung der Kinder im Alter von 10 Jahren auf die heute gängigen Schulformen ist unverantwortlich und alles andere als zeitgemäß.

Besonders die Ganztagsschulen sind sozial und gesellschaftlich erforderlich und fördern die Verankerung der Schule in der Gesellschaft. Sie fördern das gemeinschaftliche Lernen und bieten eine verlässliche Betreuung der Kinder. Dies ist für viele Eltern Voraussetzung, ihrer beruflichen Tätigkeit nachzugehen und entlastet somit auch die Sozialsysteme. Besonders das verantwortungsvolle Miteinander kann in dieser Schulform bestens vermittelt werden.

Berufsschulen, Fachhochschulen und Universitäten müssen eng an die Erfordernisse unserer Zeit herangeführt werden. Eine zeitgemäße Ausstattung und praxisorientierte Lehrpläne ermöglichen den schnellen Zugang in das Berufsleben und halten unsere Jugend international konkurrenzfähig. Möglichkeiten zu Auslandsstudien und Vernetzung der Universitäten und Fachhochschulen in Europa müssen ausgebaut und verfeinert werden.

Besonders die lange vernachlässigten Chancen der Fort- und Weiterbildung, sowie der beruflichen Neuorientierung müssen ausgebaut werden. Fast täglich entstehen neue Berufsbilder und alte verschwinden. Nur wer die Möglichkeit erhält, sich und seine beruflichen Kenntnisse den Erfordernissen unserer Zeit anzupassen, wird einen Ausweg aus Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit finden. Das lebenslange Lernen muss ein Standard in unserer Gesellschaft werden.

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