Presseerklärung zum Treffen Jusos, SPD, Ali und Gewerkschaften
30 Mai, 2008 von
Tim Sommer
Auf Initiative der Jusos Wilhelmshaven fand am 27. Mai ein „Runder Tisch der Arbeit“ im Gorch-Fock-Haus statt. Eingeladen waren Vertreter und Mitglieder der Arbeitsloseninitiative Wilhelmshaven-Friesland, der Gewerkschaften DGB, IG Metall, NGG und ver.di sowie der SPD. In Anwesenheit des Vorsitzenden des SPD Unterbezirkes Wilhelmshaven, Norbert Schmidt wurden die Probleme des Arbeitsmarktes in Wilhelmshaven und die Konsequenzen, die hieraus für die Beschäftigen vor Ort entstehen, diskutiert. Einigkeit bestand vor allem darin, dass nur durch eine enge Zusammenarbeit von Gewerkschaften, Parteien und neutralen Organisationen sowie Vereinen eine Verbesserung für die Situation von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern erreicht werden kann.
Die milliardenschweren Großprojekte kommen, sie werden zukünftig den Arbeitsmarkt in Wilhelmshaven positiv beeinflussen und einen Aufschwung für die Region bedeuten. Hierin waren sich alle Anwesenden einig.
Dennoch gibt es eine Vielzahl von Problemen für derzeit beschäftigte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie für viele Arbeitslose.
Verdeutlicht wird dies durch Zahlen der Bundesagentur für Arbeit und der Stadt Wilhelmshaven:
Die Zahl der Arbeitslosen in Wilhelmshaven sank in den letzten Jahren kontinuierlich und hatte im April 2008 einen Stand von 13,6 %. Gleichzeitig verringerte sich jedoch auch die Zahl der sozial versicherungspflichtigen Arbeitsplätze von rund 26000 (2005) auf 24000 (2007). Insbesondere gab es einen starken Anstieg bei den prekären Beschäftigungsverhältnissen und der Leiharbeit. 2124 Beschäftigte sind auf ergänzende Zahlungen angewiesen, um ihren Lebensunterhalt finanzieren zu können. Rund 700 Menschen arbeiten 35 oder mehr Stunden und beziehen trotzdem Arbeitslosengeld II, da ihre Entlohnung nicht zum Leben reicht. Seit November 2007 gibt es unter Federführung des DGB eine Beratungsstelle für prekäre Beschäftigung.
Neben der Beratungsstelle des DGB bietet auch die Arbeitsloseninitiative Wilhelmshaven-Friesland umfassende Beratung an. Der Bedarf an Beratung und Information ist vorhanden, wird jedoch nicht ausreichend durch die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter gedeckt. Neben zahlreichen Informationsveranstaltung kommt die Arbeitsloseninitiative so auf mehr als 2000 Beratungen im Jahr (ohne Telefonauskünfte). Hierbei ist der eingetragene Verein vor allem auf die finanzielle Unterstützung der Mitglieder angewiesen.
Weiterer Handlungsbedarf besteht im Bereich der Leiharbeit. In vielen Betrieben lässt sich erkennen, dass bei vollen Auftragsbüchern die Stammbelegschaft reduziert und gleichzeitig die Leiharbeit ausgebaut wird. Diese erhalten einen geringeren Lohn, weniger Urlaubstage, meist keine Sonderzulagen und Zuschüsse zur privaten Altersversorgung. Der starke Zuwachs von Leiharbeit erstreckt sich über fast alle Branchen. Beispielsweise ist in der Metallbranche ein Drittel des Stellenaufbau von 2007 (nämlich 40.000 von 120.000 Stellen) in Leiharbeit gegangen, darüber hinaus überwiegend in befristete Arbeitsverhältnisse.
Die Probleme des Arbeitsmarktes in Wilhelmshaven sind vielschichtig. Sie zu lösen bedarf es einer Vielzahl von Maßnahmen, vor allem auch gesetzlicher Regelungen. Beispiele sind eine geregelte Quote für Leiharbeit in den Betrieben, die gleiche Bezahlung von Leiharbeitsstunden und die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns. Deshalb verdient die SPD-Initiative zur Aufnahme der Zeitarbeitsbranche in die Mindestlohnbereiche Anerkennung. In den Betrieben muss darüber hinaus durch die Gewerkschaften und Betriebsräte für geregelte Quoten zur Leiharbeit, die gleiche Bezahlung und gleiche sonstige Arbeitsbedingungen gerungen werden.
Der Anstoß für Veränderungen muss immer von der Basis gegeben werden. Die Erzeugung von politischem Druck ist gemeinsame Aufgabe der Gewerkschaften, von Parteimitgliedern und überparteilichen Organisationen sowie der Gesellschaft. Derzeitige negative Entwicklungen haben hierbei nicht nur eine zeitlich begrenzte Auswirkung, sondern weitreichende Folgen. So ist schon heute abzusehen, dass eine Vielzahl von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die hauptsächlich in geringfügig bezahlten Beschäftigungsverhältnissen stehen, im Rentenalter auf staatliche Unterstützung angewiesen und von Altersarmut betroffen sind. Lohndumping schwächt die sozialen Sicherungssysteme und kann bis hin zu deren Zusammenbruch führen.
Der Versuch, Veränderungen zu erreichen, gilt besonders für die kommunale Ebene und die städtischen Gesellschaften. Gerade hier ist es wichtig, Arbeitsrecht und soziale Standards zu erhalten bzw. auszubauen. Die (weitere) Privatisierung führt in keinem Fall zu einer Verbesserung, im Gegenteil. Es kommt zu keiner Aufwertung der Qualität von Produkten und Dienstleistungen. Dafür verschlechterte sich die Situation der Beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern.
Notwendig ist auch, dass es eine kontinuierliche, enge Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften, SPD und unabhängigen Organisationen gibt. So soll der „Runde Tisch der Arbeit“ keine einmalige Aktion sein, sondern in regelmäßigen Abständen (halbjährlich) wiederholt werden. Zudem soll ein „Index guter Arbeit“ erarbeitet werden, in dem Kriterien für „gute Arbeitsplätze“ aufgeführt sind und so eine Bewertungsgrundlage für Beschäftigte, Arbeitgeber, Gewerkschaften und Parteien bilden können.
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